Kunsthandwerk aus Asien

Viele Kunstformen haben ihre Wurzeln in der Religion. Buddhismus, Hinduismus und der Glaube an Dämonen haben in Asien einen wichtigen Einfluss auf den Kunststil. Klassische Traditionen finden sich in Musik, Architektur, Theater, Literatur oder darstellender Kunst und spiegeln das nationale Bewusstsein und die Identität der einzelnen asiatischen Staaten wider. Zwar hat das traditionelle Kunsthandwerk auch den Weg in die Kunsthochschulen geschafft, doch meist werden die handwerklichen Fertigkeiten innerhalb der Familienverbünde oder Dorfgemeinschaften gepflegt und überliefert.

Indien
Bangladesch
Sri Lanka


Indien

Indien ist mit über einer Milliarde Einwohner das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt. Ein Drittel der indischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Der Großteil der indischen Bevölkerung lebt nach wie vor auf dem Land. Die Landwirtschaft gehört zwar zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Indien, allerdings ist die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe kleiner als ein Hektar, womit die Grundversorgung der Menschen kaum möglich ist. Zusatzeinkommen für die Kleinbauern sind oft überlebenswichtig.

Die Equitable Marketing Association, EMA, wurde 1977 als ein Verband für gerechte Vermarktung gegründet. Die Organisation unterstützt rund 100 Produzentengruppen bei der Entwicklung und der Vermarktung ihrer Produkte. Die Produzenten stellen unter anderem Batiken, Seidentücher, Keramiken, Messing- und Specksteinartikel sowie Hornschnitzereien her. Ein EMA-Mitglied ist die Frauenkooperative Dakshin Kalikata Mahli Karu Silpa Samabaya, die sich auf die Produktion von Batiken, Jutepüppchen und Stofftieren spezialisiert hat. Ein anderes Projekt ist die Baishnabchak Bishan Shilpa Samaby Samity Ltd. Ursprünglich handelte es sich hier um ein Familienunternehmen, das Kämme aus Büffelhorn herstellte. Nachdem die Nachfrage nach Hornkämmen eingebrochen ist, entstand aus dem Familienunternehmen eine Kooperative, die ihre Produktion erfolgreich auf die Zierschnitzerei umgestellt hat. Derzeit beschäftigt die Kooperative 60 Hornschnitzer, die eine breite Produktpalette von Tierabbildungen bis hin zu kunstvoll geschnitzten Skulpturen herstellen.

Eine weitere Organisation, die sich der Förderung des traditionellen Handwerks widmet, ist das TARA-Project. TARA (Trade Alternative Reform Action Projects) wurde in den 60er Jahren gegründet und unterstützt inzwischen rund 800 Handwerksfamilien, von denen 100 in drei Specksteinwerkstätten in Agra beschäftigt sind. TARA garantiert ihren Partnern Preise, die 15 bis 25 Prozent über den kommerziellen Marktpreisen liegen. Die Produzenten können von TARA eine Vorfinanzierung und intensive Beratung bei der Produktentwicklung und in Fragen der Produktqualität erhalten. TARA ist ein langjähriger Kooperationspartner von gepa, El Puente und dw-shop.

Eine weitere Vermarktungsorganisation ist Grameen Crafts, die hauptsächlich im Bundesstadt Uttar Pradesh arbeitet. Die Organisation wurde 1987 gegründet. Ihr Ziel ist die Unterstützung der ärmsten, landlosen Dorfbevölkerung bei der Arbeitsbeschaffung und -sicherung. Die Produzenten werden durch die Grameen Crafts bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt und sie sind gleichberechtigte Partner bei Planungen und Entscheidungen, die die Produzentengruppen betreffen. Die Produktpalette umfasst u.a. Keramiken, Steinwaren, handgewebte Heimtextilien und Recyclingpapier sowie Honig. Rund 60 Prozent der Erzeugnisse werden über europäische Fair-Handelsorganisationen wie gepa verkauft.


Bangladesch

Bangladesch ist seit 1971 unabhängig und gehört derzeit zu den ärmsten Ländern der Welt. Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig in diesem Land ohne Bodenschätze. Angesichts der sehr hohen Bevölkerungsdichte (861 Einwohner pro Quadratkilometer) liegt das Problem der Landknappheit auf der Hand. Die durchschnittliche Hofgröße beträgt 0,9 Hektar. Nach Schätzungen der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, können sich fast 40 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend ernähren. Fast 80 Prozent der Menschen in Bangladesch leben unterhalb der Armutsgrenze, 76 Prozent der Männer und Frauen können nicht lesen und schreiben, die ärztliche Versorgung ist unzureichend. Die Haupteinnahmequelle ist die Landwirtschaft sowie Billigtextilproduktion unter schlechten Arbeitsbedingungen und gegen schlechte Bezahlung. Überlebenswichtig für die Menschen sind daher zusätzliche faire Verdienstmöglichkeiten.

Karika ist eine Vermarktungsorganisation für kunsthandwerkliche Produkte, die 1974 mit staatlicher Förderung gegründet wurde. Seit 1978 arbeitet gepa mit Karika zusammen und bezieht über diese Organisation Tonfiguren, Kerzenständer und Bambusflöten. Die Mitgliedsgruppen erhalten von Karika Beratung in technischen Fragen und bei organisatorischen Problemen sowie Unterstützung bei der Beschaffung von Rohmaterialien. Ein Großteil der rund 4.000 Produzenten sind Frauen. Sie erhalten im Vergleich zu den kommerziellen Verkaufswegen höhere Preise für die Produkte und können so den Lebensunterhalt ihrer Familien bestreiten.

USHA Handicraft wurde 1997 als Zentrum für Kunsthandwerk und Marketing in Dhaka mit dem Ziel gegründet, den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Dies wird u.a. durch langfristige Zusammenarbeit und faire Bezahlung erreicht. Seit 1998 ist USHA Mitglied der IFAT, der Internationalen Federation for Alternative Trade. Die Organisation fördert traditionelle Handwerkskünste wie das Töpfern, die Kerzenproduktion oder Tonwarenherstellung, die in kleinen Handwerksgruppen zu Hause gelernt und ausgeübt werden. Besondere Unterstützung erhalten Frauen in armen und gesellschaftlich an den Rand gestellten Familien. Die USHA-Partner können spezielle Handwerkstrainings, Gesundheits-, Hygiene- und Umweltbewusstseinsschulungen sowie Kredite in Anspruch nehmen. Für die hergestellten Handwerksartikel erhalten sie gerechte Preise. Die längerfristigen Abnahmeverträge tragen zur sozialen Sicherheit der angeschlossenen Handwerksgruppen bei. Rund 90 Prozent der hergestellten Produkte wie Terracottagefäße, Kerzen, Blumentöpfe, Vasen, Weihnachtsschmuck und Krippenfiguren werden in europäischen Ländern vertrieben. El Puente und dritte-welt partner sind langjährige Kooperationspartner der USHA.


Sri Lanka

Sri Lanka ist ein Agrarland mit großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Durch den jahrzehntelangen Bürgerkrieg und die katastrophalen Auswirkungen des Erdbebens und der folgenden Flutkatastrophe vom 26. Dezember 2004 hat sich die Lebenssituation der Bevölkerung drastisch verschlechtert. Nicht nur sofortige humanitäre Hilfe ist für die Menschen überlebenswichtig, sondern kontinuierliche Hilfe zur Selbsthilfe, die beispielsweise über die Unterstützung von fairen Initiativen den Menschen vor Ort Perspektiven gibt. Dazu gehört auch die seit vielen Jahren bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit mit fairen Handelsorganisationen in Deutschland, die beispielsweise das traditionelle Kunsthandwerk fördern.

Die handwerklichen Traditionen in Sri Lanka werden seit Generationen innerhalb von Familien oder Dorfgemeinschaften gepflegt und weitergegeben. Die religiöse und weltliche Anschauung findet einen Ausdruck im traditionellen Maskentheater, in Tanzdramen und Trommelmusik. Zum traditionellen Kunsthandwerk gehören Töpferei, Batik-Herstellung und Holzschnitzerei z.B. von Elefantenfiguren, Buddhadarstellungen und Dämonenmasken. Eine beeindruckende Besonderheit sind die geschnitzten Holzmasken, die verschiedene Dämonen darstellen. Sie werden nicht nur als begehrte Kunstobjekte gehandelt, sondern auch in traditionellen spirituellen Handlungen eingesetzt. Mit ihrer Hilfe sollen Dämonen aus Besessenen ausgetrieben oder Krankheiten geheilt werden. Charakteristisch für die Dämonenmasken sind bestimmte Farben und Gesichtszüge, vor allem aber die hervortretenden Augen. Das Zentrum der Maskenschnitzerei liegt in Ambalangoda an der Südwestküste Sri Lankas.

Um das ursprüngliche Kunsthandwerk zu bewahren und zu fördern wurde die Sri Lanka Handicrafts Board SLHB gegründet. Die Organisation unterstützt Kleinproduzenten und Familienbetriebe, sorgt für regelmäßige Abnahme der Ware und angemessene Bezahlung der Produzenten. Zusätzliche Qualitätskontrollen und Produktberatungen verbessern die Marktfähigkeit der Kunstgegenstände. In 200 Trainingszentren werden junge Leute kunsthandwerklich ausgebildet. Rund 80 Prozent der Produktion wird im Inland über spezielle Läden, die LAKSALAS, vermarktet. Die Produktpalette umfasst Holzschnitzereien, Keramiken, Schmuck, Trommeln, Lederprodukte und Fußmatten. Die traditionellen Devil Masks (Teufelsmasken) werden in Familienbetrieben hergestellt und bei rituellen und spirituellen Tänzen eingesetzt. Die beliebten Holzelefanten kommen aus der Matara-Region an der Südküste Sri Lankas. Auch sie werden in mehreren kleinen Familienbetrieben produziert, in denen eine strenge Arbeitsteilung herrscht: die Holzschnitzerei wird von Männern und die Färbung der Produkte von Frauen bewerkstelligt.